Höhenverstellbarer Schreibtisch: Sitz-Steh-Tisch im Büro

Ein höhenverstellbarer Schreibtisch bringt die Arbeitsfläche auf die Höhe, die zu Ihrem Körper passt, und als Sitz-Steh-Tisch auch auf Stehhöhe. Entscheidend ist ein Verstellbereich, der Ihre Sitz- und Stehhöhe abdeckt. Dazu kommen ein Antrieb, den Sie gern mehrmals am Tag benutzen, ein ruhig stehendes Gestell und genug Spielraum für Beine und Kabel. Den größten Nutzen hat der Tisch, wenn Sie Sitzen und Stehen abwechseln, statt den ganzen Tag zu stehen.
Sitz-Steh-Tisch: wofür und für wen
Nicht jeder höhenverstellbare Schreibtisch ist ein Sitz-Steh-Tisch, oft auch Steh-Sitz-Tisch genannt. Das zeigt ein Vergleich aus dem Archiv der Schreibtische aus Ausstellung und Lager, in dem Büroeinrichtungen Ritz Ausstellungsstücke der Hersteller vorstellte. Der Febrü-Schreibtisch Trento war laut Archiv höhenverstellbar von 680 mm bis 760 mm. Das genügt, um ihn an eine kleinere oder größere Person anzupassen; zum Stehen reicht es nicht. Der Febrü Certo Lift dagegen fuhr elektromotorisch von 720 mm bis 1160 mm und reichte damit bis in den Stehbereich.
Sinnvoll ist ein Sitz-Steh-Tisch vor allem an Arbeitsplätzen mit langer Bildschirmarbeit. Er bringt Abwechslung in die Haltung, doch auch mit ihm soll die Arbeit am Bildschirm regelmäßig unterbrochen werden, wie es die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) in Anhang Nr. 6 vorsieht. Praktisch ist er auch an geteilten Arbeitsplätzen: Nutzen mehrere Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Größe denselben Tisch, findet jede Person ihre Höhe per Knopfdruck.
Weniger zwingend ist er, wenn jemand viel unterwegs ist oder nur kurz am Bildschirm arbeitet. Dann genügt oft ein fester Tisch in passender Höhe mit einem gut eingestellten Stuhl. Wer bereits Rückenbeschwerden hat, sollte die Entscheidung vorher mit dem Betriebsarzt besprechen.
Verstellbereich und Körpergröße (DIN EN 527-1)
Die Maße von Büro-Arbeitstischen beschreibt DIN EN 527-1 in der Ausgabe 2011-08. Die Norm gilt für Arbeitstische, an denen im Sitzen, im Stehen oder im Wechsel zwischen beidem gearbeitet wird. Grundlage ist ein Bereich der Körpergröße von 1493 mm bis 1913 mm. Für Empfangstische, Schränke und Regale gilt sie ausdrücklich nicht.
Für die Auswahl heißt das: Wer am Rand dieses Bereichs oder außerhalb liegt, sollte den Verstellbereich eines Tisches besonders genau prüfen. Doch auch sonst entscheidet am Ende weniger die Körpergröße als die Ellbogenhöhe im Sitzen und im Stehen. Diese Werte messen Sie am einfachsten selbst, mit einem Zollstock und in den Schuhen, die Sie im Büro tragen:
- Stellen Sie zuerst Ihren Stuhl richtig ein. Wie das geht, zeigt die Anleitung Bürostuhl einstellen in einzelnen Schritten.
- Lassen Sie im Sitzen die Schultern locker hängen und winkeln Sie die Unterarme etwa waagerecht an. Messen Sie vom Boden bis zur Unterseite des Ellbogens: Das ist ungefähr die Tischhöhe, die Sie im Sitzen brauchen.
- Wiederholen Sie die Messung im Stehen, aufrecht und ohne sich nach vorn zu lehnen.
- Vergleichen Sie beide Werte mit dem Verstellbereich im Datenblatt. Sie sollten mit etwas Spielraum hineinpassen und nicht genau am Anschlag liegen.
Achten Sie beim Lesen des Datenblatts darauf, ob die Höhe bis zur Oberkante der Tischplatte angegeben ist oder nur die Höhe des Gestells. Der Unterschied ist die Plattenstärke, und gerade für kleine Menschen kann sie am unteren Ende den Ausschlag geben.
Antrieb: manuell, Kurbel, elektrisch
Wie oft Sie die Höhe tatsächlich ändern, hängt stark vom Antrieb ab. Je mehr Mühe das Verstellen macht, desto eher bleibt der Tisch auf einer Höhe stehen. Im Archiv finden sich neben dem elektromotorischen Certo Lift noch weitere Antriebe: Bei einem Chefzimmer von Rohde & Grahl ließ sich der Schreibtisch per Kurbel verstellen, der Besprechungstisch hatte eine Gasfeder.
| Antrieb | Geeignet für | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Manuell (Rastung oder Verschraubung) | dauerhafte Anpassung an die Sitzhöhe einer Person | kein Wechsel ins Stehen; Verstellen meist nur mit Werkzeug |
| Gasfeder | schnelles Verstellen ohne Strom | die Feder muss zum Gewicht auf der Platte passen; zusätzliche oder schwerere Geräte verändern das Verhalten |
| Kurbel | gelegentlichen Wechsel, Plätze ohne Steckdose in der Nähe | das Verstellen dauert; viele Nutzer kurbeln nach einer Weile kaum noch |
| Elektromotor | regelmäßigen Wechsel zwischen Sitzen und Stehen, geteilte Arbeitsplätze | Speichertasten, Kollisionsschutz, Motorgeräusch, Stromanschluss |
Wird der Tisch mehrmals täglich verstellt, ist im Büro ein elektrisch höhenverstellbarer Schreibtisch die Regel. Achten Sie auf Speichertasten, mit denen Sie Sitz- und Stehhöhe per Tastendruck abrufen. Im Mehrpersonenbüro zählt auch das Motorgeräusch: Lassen Sie den Tisch vor einer größeren Anschaffung ganz hoch- und wieder herunterfahren.
Tischgröße, Beinraum und Kabelführung
Die Platte muss so groß sein, dass Bildschirm, Tastatur und Unterlagen nebeneinander Platz haben und der Bildschirm weit genug von den Augen entfernt steht. Freiformtische wie der Certo Lift haben keine rechteckige Platte; prüfen Sie im Grundriss, welche Seite wie viel Fläche bietet. Je größer die Platte und je schwerer die Geräte darauf, desto mehr muss das Gestell heben: Rechnen Sie Bildschirme, Monitorarm und Rechner zusammen und vergleichen Sie das Ergebnis mit der Tragfähigkeit im Datenblatt.
Unter der Platte darf nichts fest stehen, was beim Absenken im Weg ist. Ein Standcontainer, der unter einem festen Tisch selbstverständlich ist, wird am Sitz-Steh-Tisch zum Hindernis; ein Rollcontainer neben dem Tisch passt hier besser. Eine Fußraumblende sollte an der Platte befestigt sein, damit sie mitfährt. Prüfen Sie außerdem, ob eine Querstrebe des Gestells im Sitzen an die Knie stößt.
Kabelkanal und Kabelauslassdosen sind an vielen Schreibtischen üblich, im Archiv etwa bei der Febrü-Schreibtischanlage Quadro. Am höhenverstellbaren Tisch müssen alle Leitungen den gesamten Hub mitmachen. Steckdosenleiste und Netzteile gehören in eine Kabelwanne unter der Platte, von dort führt eine Kabelkette oder ein Kabelschlauch zum Boden. Fahren Sie den Tisch mit allen angeschlossenen Geräten ganz nach oben, bevor Sie die letzten Kabelbinder setzen. Welche Elektrifizierung sinnvoll ist, gehört zu den Fragen zur Wahl des richtigen Arbeitsplatzes, die vor jeder Planung geklärt sein sollten.
An Gruppenarbeitsplätzen kommen Tischtrennwände hinzu; was sie an einem Sitz-Steh-Tisch noch leisten, wenn eine Person steht und die andere sitzt, erklärt der Ratgeber zur Büroakustik mit Trennwänden und Absorbern.
Standsicherheit und Kollisionsschutz
In Stehhöhe wirkt jede Bewegung auf der Platte über einen langen Hebel auf das Gestell. Ein Tisch, der im Sitzen fest steht, kann oben spürbar wackeln. Testen Sie deshalb in der höchsten Position, die Sie brauchen: Tippen Sie kräftig, stützen Sie sich auf die Vorderkante und beobachten Sie dabei den Bildschirm. Zittert das Bild, wird Sie das im Alltag stören. Verstellbare Füße gleichen Unebenheiten im Boden aus und sollten bei der Montage nachjustiert werden.
Die Sicherheitsanforderungen an Büro-Arbeitstische behandelt der DGUV Grundsatz 315-410. Er dient als Prüfgrundlage für Tische, Büroschränke und Raumgliederungselemente. Lassen Sie sich vom Hersteller zeigen, nach welcher Grundlage der Tisch geprüft wurde. Die DGUV hat außerdem die Fachbereichsinformation „Sitz-/Steharbeitstische auch im Homeoffice“ (FBVW-403) herausgegeben.
Der elektrische Antrieb bringt eine eigene Gefahr mit: Quetschstellen. Beim Absenken kann die Platte auf eine Fensterbank, einen Rollcontainer oder die Armlehnen des eigenen Stuhls treffen, beim Hochfahren auf ein Regal oder einen Hängeschrank. Ein Kollisionsschutz erkennt solche Hindernisse, stoppt den Motor und fährt meist ein Stück zurück. Probieren Sie die Funktion vor dem Kauf mit einem leeren Karton aus. Heikel sind auch Übergänge zu festen Möbeln, etwa zu einem Anbautisch oder einem Besprechungsansatz, wie ihn die Quadro-Anlage hatte. Zwischen beweglicher und fester Platte öffnet und schließt sich beim Verfahren ein Spalt, in den Finger geraten können. Viele elektrische Tische lassen sich außerdem sperren; im Homeoffice ist das praktisch, wenn Kinder gern auf Tasten drücken.
Richtig wechseln: Sitzen, Stehen, Bewegen
Auch wenn er oft Stehschreibtisch heißt: Ein Sitz-Steh-Tisch ist kein Stehpult. Wer ihn morgens hochfährt und abends wieder herunter, tauscht nur eine starre Haltung gegen eine andere. Langes Stehen ermüdet Beine und Füße und verleitet dazu, sich auf die Platte zu stützen. Sinn der Sache ist der Wechsel, und dazu gehört neben Sitzen und Stehen auch Bewegung, etwa der Weg zum Drucker oder ein Gespräch am Nachbarplatz.
Faustregeln mit festem Takt für Sitzen und Stehen, wie sie in Verkaufsratgebern kursieren, sollten Sie mit Vorsicht lesen. Praktischer ist es, den Wechsel an Tätigkeiten zu knüpfen:
- Telefonate und Videokonferenzen im Stehen führen.
- Ausdrucke und lange Dokumente im Stehen lesen, konzentriertes Schreiben im Sitzen erledigen.
- Kurze Abstimmungen mit Kollegen am hochgefahrenen Tisch halten.
- Die Haltung wechseln, sobald Sie anfangen, das Gewicht von einem Bein aufs andere zu verlagern oder im Stuhl zusammenzusinken.
Wichtig ist, dass der Wechsel keine Mühe macht. Mit gespeicherten Höhen und sauber verlegten Kabeln dauert er nur Sekunden. Auch in den Sitzphasen müssen Sie nicht starr sitzen, wenn der Stuhl mitgeht; was einen ergonomischen Bürostuhl mit Synchronmechanik ausmacht, erklärt ein eigener Ratgeber.
Tisch plus Stuhl plus Bildschirm: zusammen einstellen
Tisch, Stuhl und Bildschirm bilden eine Einheit. Wer nur eines davon verstellt, verlagert das Problem oft nur. Im Sitzen gilt diese Reihenfolge:
- Stuhl: Sitzhöhe so, dass die Füße flach auf dem Boden stehen, danach Sitztiefe, Rückenlehne und Armlehnen.
- Tisch: Schreibtischhöhe einstellen, bis die Platte bei locker hängenden Schultern auf Ellbogenhöhe liegt. Die Armlehnen sollten dabei unter die Platte passen oder auf gleicher Höhe liegen.
- Bildschirm: Die ArbStättV nennt in Anhang Nr. 6 frei dreh- und neigbare, reflexionsarme Bildschirme. Stellen Sie ihn so auf, dass die oberste Textzeile etwas unter Augenhöhe liegt und sich kein Fenster darin spiegelt.
Im Stehen wiederholen Sie die Schritte für Tisch und Bildschirm. Steht der Bildschirm auf der Platte oder hängt er an einem Monitorarm am Tisch, fährt er mit; seine Höhe passt dann meist, sollte im Stehen aber erneut geprüft werden. Speichern Sie anschließend beide Höhen.
Wer mehrere Arbeitsplätze einrichtet, testet die Kombination am besten vorher an einem Platz unter echten Bedingungen, etwa an einem Musterarbeitsplatz, wie ihn die Leistungsseite von Büroeinrichtungen Ritz für Projekte beschreibt. Wie Licht, Platz und Bildschirm zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Büroarbeitsplatz ergonomisch einrichten.
Quellen und Regelwerke
- DIN EN 527-1, Ausgabe 2011-08: Büromöbel – Büro-Arbeitstische – Teil 1: Maße; Deutsche Fassung EN 527-1:2011
- DGUV Grundsatz 315-410 „Sicherheitsanforderungen an Büro-Arbeitstische, Büroschränke und aufrüstbare Raumgliederungselemente in Deutschland“
- DGUV FBVW-403 „Sitz-/Steharbeitstische auch im Homeoffice“
- Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV), Anhang Nr. 6 (Bildschirmarbeitsplätze)
- Büroeinrichtungen Ritz, restauriertes Archiv aus Aktionen und Lagerverkauf: Schreibtische (Febrü Certo Lift, Febrü Trento, Febrü Quadro) und Komplettbüro (Chefzimmer FIT lino von Rohde & Grahl)

