Büroakustik verbessern: Möbel, Stellwände und Absorber

Um die Büroakustik ohne Umbau zu verbessern, klären Sie zuerst, was genau stört: ein halliger Raum oder Gespräche, die man am Nachbartisch Wort für Wort versteht. Gegen Hall helfen große schallabsorbierende Flächen an Schränken, Wänden und Bildern, gegen das Mithören Tischtrennwände und Stellwände zwischen den Plätzen. Teppich und Vorhang ergänzen das, für Telefonate hilft ein Rückzugsort.
Warum Lärm im Büro mehr ist als ein Komfortproblem
Laut wie in einer Werkhalle ist es im Büro fast nie. Was stört, sind Stimmen: das Telefonat am Nebentisch oder die Abstimmung hinter der Stellwand. Verständliche Sprache lenkt ab, auch wenn sie leise ist. Hinzu kommt: Wo es unruhig ist, sprechen alle lauter.
Rechtlich ist Lärm im Büro ein Arbeitsschutzthema. Nach Nr. 3.7 im Anhang der Arbeitsstättenverordnung ist der Schalldruckpegel in Arbeitsstätten so niedrig wie möglich zu halten. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.7 „Lärm“ konkretisiert diese Pflicht für den Bereich unterhalb von 80 dB(A); darüber gilt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung. Das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) nennt die ASR A3.7 ausdrücklich als Regel für Mehrpersonenbüros, Callcenter und Großraumbüros.
Für die Einrichtung aufschlussreich ist ein Detail: Die ASR A3.7 bewertet Lärm über einen Beurteilungspegel mit Zuschlägen für bestimmte Geräusche, unter anderem für Gespräche. Gespräche können den Beurteilungspegel also erhöhen. Wie Lärm im Büro wirkt und wie sich Büros akustisch gestalten lassen, beschreibt die DGUV Information 215-443 „Akustik im Büro“.
Hallt es oder wird mitgehört? Nachhall und Sprachverständlichkeit unterscheiden
Hinter dem Satz „Bei uns ist es zu laut“ stecken häufig unterschiedliche Probleme, und jedes verlangt andere Möbel.
- Nachhall: Harte Flächen wie Glas und glatte Böden werfen den Schall immer wieder zurück. Der Raum klingt hallig, Stimmen verschwimmen ineinander. Typisch ist das für frisch bezogene, sparsam möblierte Räume.
- Mithören: Der Raum klingt eigentlich angenehm, trotzdem verstehen Sie das Telefonat am übernächsten Tisch Satz für Satz. Es fehlen Abschirmung und Abstand zwischen den Plätzen. In einem sonst ruhigen Raum fällt das besonders auf.
Ein einfacher Hörvergleich hilft: Hören Sie sich den Raum abends leer an und vormittags bei voller Besetzung. Klingt schon der leere Raum hohl, setzen Sie bei den Flächen an. Stört vor allem, dass man Inhalte versteht, beginnen Sie mit der Anordnung der Plätze und mit Trennwänden. Oft trifft beides zu.
Auch die Normung unterscheidet zwischen Büro und Konferenzraum: DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“ ordnet Büros der Gruppe B zu (Hören über kurze Entfernung), Konferenzräume der Gruppe A (Hören über mittlere und große Entfernung). Für Großraumbüros gibt es mit DIN EN ISO 3382-3 eine eigene Messnorm. Messungen danach sind Sache von Fachleuten.
Tischtrennwände und Stellwände (Raumteiler) mit absorbierender Oberfläche
Gegen das Mithören ist eine Abschirmung zwischen Sprecher und Zuhörer ein wichtiger Hebel. Sie unterbricht den direkten Weg des Schalls vom Mund zum Ohr, und eine schallschluckende Oberfläche verhindert, dass die Stimme in den Raum zurückgeworfen wird.
Tischtrennwände werden an der Tischplatte befestigt. Gegen Sprache wirken sie nur, wenn sie über die Köpfe der Sitzenden hinausreichen; eine niedrige Sichtblende bringt akustisch wenig. Achten Sie auf eine textile oder poröse Oberfläche auf beiden Seiten. Glatte Scheiben aus Glas oder Acrylglas halten zwar etwas Direktschall ab, werfen ihn aber hart zurück, oft genau zum Nachbarn.
Bei Sitz-Steh-Tischen fährt eine an der Platte montierte Trennwand mit nach oben. Eine frei stehende Stellwand bleibt auf ihrer Höhe, und wer steht, spricht über sie hinweg. Mehr zu solchen Tischen steht im Ratgeber zum höhenverstellbaren Schreibtisch im Büro.
Stellwände stehen frei und gliedern den Raum: Sie trennen Teams oder schirmen Plätze gegen einen Laufweg ab. Akustisch gilt dasselbe wie bei der Tischtrennwand, und je dichter die Wand bei den Sprechenden aufgestellt ist, desto besser wirkt sie. Eine einzelne Stellwand weit weg von allen Plätzen ist vor allem Dekoration. Bei hohen, miteinander verketteten Elementen zählt außerdem die Standsicherheit. Als Prüfgrundlage für aufrüstbare Raumgliederungselemente gilt der DGUV Grundsatz 315-410; fragen Sie beim Kauf danach.
Schallabsorbierende Schrank-, Bild- und Wandelemente
Gegen Nachhall brauchen Sie Fläche: Je mehr harte Oberflächen im Raum durch schallabsorbierende ergänzt werden, desto ruhiger klingt er. Möbel und Wandelemente kommen dafür ohne Baustelle aus und ziehen beim Umzug mit.
Büroeinrichtungen Ritz nannte auf seiner Leistungsseite unter dem Stichwort „Gesunderhaltung der Mitarbeiter“ neben Deckenelementen auch Schrank-, Bild- und Trennelemente mit schallabsorbierenden Oberflächen (siehe Leistungen von Büroeinrichtungen Ritz). Beraten wurde damals vor Ort beim Kunden, mit Stoff- und Oberflächenmustern. So sollten Sie auch Bezüge für Absorber auswählen: am Muster und im Licht des eigenen Raums.
Schränke als Raumteiler
Auf der restaurierten Schrankseite steht als erste Nutzungsidee: „Die Geräuschkulisse dämpfen, indem die Schränke wie Trennwände aufgestellt werden“. Ein hoher Schrank zwischen Arbeitsgruppen schirmt ab und schafft nebenbei Stauraum. Akustisch bringt er deutlich mehr, wenn Front oder Rückwand Schall schlucken, etwa durch eine gelochte Oberfläche mit Absorbermaterial dahinter oder eine stoffbespannte Rückseite. Eine glatte, beschichtete Spanplatte wirft den Schall dagegen zurück. Halbhohe Sideboards trennen Zonen optisch, schirmen gegen Sprache aber kaum ab, weil sie unterhalb der Kopfhöhe enden. Mehr dazu finden Sie im Bereich Schränke als Trennwand und Stauraum.
Bild- und Wandabsorber
Bildabsorber sind stoffbespannte Platten mit schallabsorbierendem Kern, die wie ein Bild an der Wand hängen. Bedruckt mit einem Motiv oder dem Firmenlogo fallen sie als Akustikmaßnahme kaum auf. Wandabsorber sind meist größer und einfarbig. Sinnvoll sind sie an langen, kahlen Wänden, gegenüber von Glasflächen und nahe den Telefonplätzen. Ein einzelnes kleines Bild verändert den Raumklang kaum; es kommt auf die Summe der Fläche an.
Textilien: Teppich, Vorhang, Polster als Ergänzung
Textilien schlucken Schall, beruhigen ein halliges Büro aber selten allein, und gegen das Mithören am Nachbartisch helfen sie kaum. Ein Teppich dämpft vor allem Geräusche, die am Boden entstehen, also Schritte und rollende Stühle; gegenüber Fliesen oder Laminat ist der Unterschied deutlich zu hören. Prüfen Sie beim Wechsel auch die Stuhlrollen, denn für weiche und harte Böden gibt es unterschiedliche Rollen.
Vorhänge entschärfen große, harte Fensterflächen, wobei schwerer Stoff in tiefen Falten deutlich besser wirkt als dünner, glatt gespannter. Nebenbei mindern sie die Blendung; wie Sie Bildschirm und Fenster zueinander ausrichten, steht im Leitfaden zum ergonomischen Arbeitsplatz. Polster an Besucher- und Konferenzstühlen tragen ein wenig zur Absorption bei, sind für sich aber keine Akustikmaßnahme.
Telefonbox und Rückzugsort: eine Lösung unter mehreren
Telefonboxen, auch Akustik- oder Telefonkabinen genannt, sind geschlossene, frei aufgestellte Kabinen mit Tür. An der Akustik des Raums ändern sie wenig. Ihre Stärke liegt woanders: Ein einzelnes Gespräch verlässt den Raum, und wer telefoniert, hat selbst Ruhe.
Wann eine Telefonbox hilft
- bei häufigen Telefonaten und Videokonferenzen einzelner Mitarbeiter, die sonst am Platz stattfinden würden;
- bei vertraulichen Gesprächen, etwa zu Personalfragen, wenn kein Einzelbüro frei ist;
- für konzentrierte Arbeit einer einzelnen Person, sofern die Kabine dafür Arbeitsfläche, Licht und Strom bietet.
Wann sie wenig bringt
- wenn der Raum selbst hallt: Die Kabine holt ein Gespräch heraus, für alle anderen bleibt der Raumklang gleich;
- wenn Sprechen die eigentliche Arbeit ist, wie im Callcenter: Dort kann niemand für jedes Gespräch den Platz wechseln;
- für Besprechungen mehrerer Personen, für die ein gut eingerichteter Besprechungsraum meist die bessere Wahl ist;
- wenn die Kabinen ständig belegt sind: Dann wird wieder am Platz telefoniert.
Vor der Anschaffung lohnen sich einige praktische Fragen. Wo steht die Kabine? Nicht im Hauptlaufweg, aber auch nicht so weit entfernt, dass der Weg dorthin länger dauert als das Telefonat. Ist sie belüftet und beleuchtet, gibt es Strom und Netzwerk für Laptop und Videokonferenz? Und ist abgesprochen, wofür die Kabine gedacht ist, damit sie nicht zum dauerhaft besetzten Einzelarbeitsplatz wird?
Die Telefonbox ist zudem nur eine Form des Rückzugsorts: Ein freies Einzelbüro mit Tür oder ein für Videokonferenzen reservierter Besprechungsraum erfüllt denselben Zweck. Die Kabine spielt ihre Vorteile dort aus, wo kein solcher Raum frei ist oder die Wege kurz bleiben sollen, etwa mitten im Großraumbüro.
Callcenter und Mehrpersonenbüros: Besonderheiten
Im Callcenter ist das Gespräch die Arbeit. Viele sprechen gleichzeitig, und jeder muss sein Gegenüber am Headset verstehen. Die Akustik muss deshalb am Platz selbst stimmen. Auf der restaurierten Seite zur Wahl des Arbeitsplatzes nannte Büroeinrichtungen Ritz neben Einzel- und Gruppenarbeitsplätzen auch „Call-Center-Einrichtungen mit Trennwandsystemen“. Bei der Planung solcher Plätze zählt vor allem:
- Jeder Platz erhält eine absorbierende Abschirmung zu den Nachbarn und nach vorn, die über die Kopfhöhe im Sitzen reicht.
- Die Plätze sind so ausgerichtet, dass die Mitarbeiter zu einer absorbierenden Fläche hin sprechen, nicht zum Kollegen.
- Laufwege und Drucker liegen außerhalb der Platzreihen.
- Freie Wände nahe den Plätzen tragen Wand- oder Bildabsorber, damit sich die vielen Stimmen nicht zu einem dichten Grundgeräusch aufschaukeln.
Im kleinen Mehrpersonenbüro liegt der Fall anders: Einige telefonieren viel, andere brauchen Ruhe. Hier hilft vor allem die Anordnung. Setzen Sie die Vieltelefonierer zusammen und in die Nähe der Tür, damit sie für lange Gespräche schnell den Raum wechseln können. Ein Schrank als Raumteiler zwischen den Zonen und ein Wandabsorber hinter den Telefonplätzen leisten hier oft schon viel.
Maßnahmen im Überblick
Die Tabelle zeigt, was die einzelnen Möbelmaßnahmen leisten und wo ihre Grenzen liegen.
| Maßnahme | wirkt vor allem gegen | stößt an Grenzen, wenn … |
|---|---|---|
| Tischtrennwand, absorbierend | Mithören am Nachbarplatz | sie unter Kopfhöhe endet oder glatt und hart ist |
| Stellwand, Raumteiler | Mithören zwischen Teams, Geräusche vom Laufweg | sie weit von den Sprechenden entfernt steht |
| Schrank mit absorbierender Front oder Rückwand | Nachhall, Mithören zwischen Zonen | Front und Rückwand glatt sind |
| Bild- und Wandabsorber | Nachhall | die Fläche im Verhältnis zum Raum klein bleibt |
| Teppich, Vorhang | Geräusche am Boden, harte Fensterflächen | sie die einzige Maßnahme sind |
| Telefonbox, Rückzugsraum | einzelne Telefonate und Videokonferenzen | viele Mitarbeiter gleichzeitig am Platz sprechen müssen |
Wann ein Fachbetrieb für bauliche Akustik nötig ist
Einen Fachbetrieb für Raumakustik sollten Sie hinzuziehen, wenn
- der Raum trotz neuer Möblierung hallig bleibt und die Beschwerden anhalten;
- ein Großraumbüro neu geplant oder umgebaut wird;
- Werte gemessen und dokumentiert werden müssen, etwa nach DIN EN ISO 3382-3;
- bauliche Eingriffe in den Raum nötig werden.
Als Grundlage für das Gespräch mit dem Fachbetrieb und der Fachkraft für Arbeitssicherheit eignen sich die VDI 2569 „Schallschutz und akustische Gestaltung in Büros“, die Ein- und Mehrpersonenbüros behandelt, und die DGUV Information 215-443, die auch auf Büro- und Nutzungskonzepte eingeht.
Quellen und Regelwerke
- Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Anhang Nr. 3.7 „Lärm“
- ASR A3.7 „Lärm“, Fassung 24.03.2021
- DGUV Information 215-443 „Akustik im Büro“, März 2021
- VDI 2569 „Schallschutz und akustische Gestaltung in Büros“, Ausgabe 2019-10
- DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“, Ausgabe 2016-03
- DIN EN ISO 3382-3 „Messung von Parametern der Raumakustik, Teil 3: Großraumbüros“, Ausgabe 2022-04
- DGUV Grundsatz 315-410 „Sicherheitsanforderungen an Büro-Arbeitstische, Büroschränke und aufrüstbare Raumgliederungselemente in Deutschland“
- IFA, Institut für Arbeitsschutz der DGUV: Fachinformationen Lärm
- Restaurierte Archivseiten von Büroeinrichtungen Ritz: Leistungen, Arbeitsplätze, Schränke

