Bürostuhl richtig einstellen: Schritt für Schritt erklärt

Einen Bürostuhl stellen Sie in fünf Schritten ein: Sitzhöhe, Sitztiefe, Rückenlehne mit Lendenstütze, Gegendruck der Mechanik und zuletzt die Armlehnen. Erst wenn der Stuhl passt, richten Sie Tisch und Bildschirm nach ihm aus. Das dauert wenige Minuten und gelingt bei den meisten Stühlen ohne Werkzeug.
Reihenfolge: erst Stuhl, dann Tisch und Bildschirm
Ihr Körper ist die feste Größe. Der Stuhl wird an ihn angepasst, und der Tisch folgt dem Stuhl. Wer zuerst die Tischhöhe festlegt und den Stuhl danach ausrichtet, passt am Ende den Körper an die Möbel an. Wie Tisch, Bildschirm und Raum anschließend eingerichtet werden, beschreibt der Leitfaden Büroarbeitsplatz ergonomisch einrichten. Den rechtlichen Rahmen für Bildschirmarbeitsplätze setzt Anhang Nr. 6 der Arbeitsstättenverordnung, der unter anderem die Grundsätze der Ergonomie nennt; ausführliche Hinweise zur Umsetzung gibt die DGUV Information 215-410.
Vor dem Einstellen lohnt eine kurze Vorbereitung:
- Tragen Sie die Schuhe, in denen Sie normalerweise arbeiten, denn Absätze verändern die passende Sitzhöhe.
- Nehmen Sie Sitzkissen weg, die nicht zum Stuhl gehören, und lösen Sie eine festgestellte Rückenlehne.
- Machen Sie sich mit Hebeln und Drehknöpfen vertraut: Meist sitzen sie unter dem Sitz und an der Lehne.
Büroeinrichtungen Ritz stellte jeden Stuhl bei der Auslieferung auf seinen Nutzer ein, wie die restaurierte Seite zu Bürostühlen und ihren Ergonomie-Funktionen festhält. Wird ein Stuhl im Karton geliefert, übernehmen Sie das Einstellen selbst.
Ob ein Stuhl überhaupt zu Ihrer Körpergröße passt, hängt von seinen Einstellbereichen ab. DIN EN 1335-1 behandelt die Maße von Büro-Arbeitsstühlen und beschreibt, wie sie bestimmt werden; sind die Maße nach dieser Norm angegeben, hilft das beim Vergleich der Datenblätter. Welche Funktionen beim Kauf darüber hinaus zählen, erklärt der Ratgeber ergonomischer Bürostuhl: Funktionen im Überblick.
Schritt 1: Sitzhöhe
Setzen Sie sich ganz nach hinten auf die Sitzfläche, sodass der Rücken die Lehne berührt. Stellen Sie die Höhe so ein, dass beide Füße flach auf dem Boden stehen und die Oberschenkel etwa waagerecht liegen. Die Knie sind dann ungefähr rechtwinklig gebeugt oder etwas weiter geöffnet.
Die Gasfeder fährt nur nach oben, wenn der Sitz entlastet ist. Zum Hochstellen stehen Sie also kurz auf und ziehen dabei den Hebel, zum Absenken bleiben Sie sitzen.
Ein schneller Prüfgriff: Schieben Sie eine Hand unter den Oberschenkel, direkt hinter der Sitzvorderkante. Passt sie kaum darunter, ist der Sitz zu hoch, und die Kante drückt auf die Unterseite der Oberschenkel. Liegen die Knie deutlich höher als die Hüfte, ist er zu niedrig: Das Becken kippt nach hinten, der Rücken rundet sich.
Schritt 2: Sitztiefe
Die Sitztiefe entscheidet darüber, ob Sie die Rückenlehne überhaupt nutzen können. Setzen Sie sich mit dem Rücken an die Lehne und prüfen Sie den Abstand zu den Knien: Zwischen Kniekehle und Sitzvorderkante bleibt etwa eine Faust breit Platz, wenn die Tiefe passt. Ist der Sitz zu tief, drückt die Kante in die Kniekehle, Sie rutschen nach vorn und verlieren den Kontakt zur Lehne. Ist er zu kurz, liegen die Oberschenkel nur teilweise auf, und der Druck sammelt sich auf einer kleinen Fläche.
Viele Stühle haben dafür einen Schiebesitz: Ein Hebel unter dem Sitz gibt die Sitzfläche frei, und Sie schieben sie im Sitzen nach vorn oder hinten. Ein Duo-Back-Stuhl von Grahl aus dem Lagerarchiv mit Bürodrehstühlen war zum Beispiel so ausgestattet. Fehlt die Sitztiefenverstellung und passt die Tiefe nicht, ist der Stuhl für diese Person zu groß oder zu klein.
Schritt 3: Rückenlehne und Lendenstütze
Die Wölbung im unteren Teil der Rückenlehne soll die Lendenwirbelsäule stützen. Damit sie wirkt, muss sie in der Taille sitzen, ungefähr auf Höhe des Hosenbunds. Bei vielen Stühlen verstellen Sie dafür die Höhe der ganzen Lehne, indem Sie sie im Sitzen nach oben ziehen, bis sie einrastet. Bei manchen Modellen fährt die Lehne nach dem höchsten Punkt wieder ganz nach unten, dann beginnen Sie von vorn.
Eine eigene Lumbalstütze lässt sich zusätzlich in der Höhe und teils in der Tiefe einstellen. Richtig sitzt sie, wenn Sie die Stütze in der natürlichen Mulde des unteren Rückens spüren, ohne dass sie das Becken nach vorn schiebt. Drückt sie unangenehm, steht sie zu weit vor oder sitzt zu tief. Eine Kopfstütze ist dagegen für das Zurücklehnen gedacht: Beim aufrechten Arbeiten muss der Kopf sie nicht berühren.
Schritt 4: Gegendruck der Synchronmechanik
Bei einer Synchronmechanik bewegen sich Sitz und Rückenlehne in einem abgestimmten Verhältnis; die Stuhlseite nennt sie die „Grundlage für dynamisches Sitzen“. Damit das funktioniert, muss der Gegendruck der Lehne zum Körpergewicht passen. Meist stellen Sie ihn über einen Drehknopf unter dem Sitz ein, manche Modelle passen ihn selbsttätig an das Gewicht an.
So prüfen Sie die Einstellung: Lehnen Sie sich entspannt zurück, ohne sich mit den Füßen abzustoßen. Die Lehne sollte nachgeben, Sie dabei spürbar halten und beim Aufrichten mühelos nach vorn begleiten.
- Ist der Gegendruck zu stark, drückt die Lehne Sie nach vorn. Sie sitzen auf der Vorderkante und lehnen sich kaum noch an.
- Ist er zu schwach, kippen Sie beim Anlehnen nach hinten weg und halten sich unbewusst mit Bauch- und Nackenmuskeln.
Die Arretierung ist für Ausnahmen gedacht. Im Alltag bleibt die Lehne frei beweglich.
Sitzneigung
Manche Stühle haben zusätzlich eine Sitzneigeverstellung. Sie neigt die Sitzfläche leicht nach vorn und öffnet damit den Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkeln. Probieren Sie die Neigung beim Schreiben aus. Beim Zurücklehnen übernimmt ohnehin die Mechanik.
Schritt 5: Armlehnen
Die Armlehnen kommen zuletzt, weil ihre Höhe von Sitzhöhe und Haltung abhängt. Lassen Sie die Schultern locker hängen und winkeln Sie die Arme an: Die Unterarme sollten aufliegen, ohne dass die Schultern nach oben gedrückt werden. Liegen die Armlehnen zu tief, sinken Sie zur Seite, liegen sie zu hoch, ziehen Sie die Schultern hoch.
Außerdem sollten die Armlehnen etwa auf Tischhöhe oder knapp darunter liegen, damit Sie nah genug an den Tisch heranrollen können. Stoßen sie an die Kante, senken Sie sie ab oder schieben sie, sofern das geht, nach hinten.
2D-Armlehnen lassen sich in Höhe und Breite verstellen, 3D-Armlehnen zusätzlich in der Tiefe. Stellen Sie die Breite so ein, dass die Armlehnen nah am Körper liegen. Ziel ist, wie es auf der Stuhlseite von Büroeinrichtungen Ritz hieß, die Schultern bestmöglich zu entlasten.
Danach: Tisch und Bildschirm
Bei richtiger Tischhöhe liegen die Unterarme etwa waagerecht auf der Platte, auf gleicher Höhe wie auf den Armlehnen. Einen verstellbaren Tisch passen Sie an den Stuhl an; wie das bei Sitz-Steh-Tischen geht, erklärt der Ratgeber zum höhenverstellbaren Schreibtisch. Zuletzt rücken Sie den Bildschirm so, dass die oberste Textzeile etwa auf Augenhöhe oder etwas darunter liegt. Welche Fragen bei der Wahl des Tisches selbst zählen, von der Elektrifizierung bis zum Fußgestell, zeigt die Seite Arbeitsplätze und ihre Ausstattung.
Typische Fehler und wann eine Fußstütze sinnvoll ist
Die meisten Fehler entstehen, weil gar nicht eingestellt wird:
- Die Sitzhöhe wird nach dem Tisch gewählt statt nach den Beinen.
- Die Rückenlehne bleibt dauerhaft festgestellt, die Mechanik wird nie genutzt.
- Der Gegendruck steht noch auf Werkseinstellung, ganz gleich, wie schwer der Nutzer ist.
- Die Armlehnen sind so hoch, dass der Stuhl nicht nah an den Tisch kommt.
- Beim Desk-Sharing wird der Stuhl so übernommen, wie ihn die Person davor eingestellt hat.
Wann eine Fußstütze hilft
Eine Fußstütze ist sinnvoll, wenn der Tisch eine feste Höhe hat und für die Person zu hoch ist. Dann stellen Sie den Stuhl so hoch, dass die Unterarme waagerecht auf der Platte liegen, und die Füße finden auf der Fußstütze Halt. Die Fußstütze sollte groß genug für beide Füße sein und nicht wegrutschen.
Bei einem höhenverstellbaren Tisch ist sie meist überflüssig: Senken Sie den Tisch ab, bis er zum Stuhl passt.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich meinen Bürostuhl neu einstellen?
Immer dann, wenn sich etwas ändert, etwa wenn jemand anderes auf dem Stuhl sitzt oder ein neuer Tisch kommt. Prüfen Sie die Einstellung auch, wenn sich Rücken oder Nacken melden.
Darf die Rückenlehne beim Arbeiten festgestellt sein?
Kurzzeitig ist das in Ordnung, auf Dauer verschenken Sie damit den Nutzen der Mechanik: Eine frei bewegliche Lehne lädt zum Haltungswechsel ein, eine festgestellte hält Sie in einer Position.
Was tun, wenn die Füße trotz niedrigster Sitzhöhe nicht auf den Boden kommen?
Dann ist der Stuhl für Ihre Körpergröße zu hoch. Kurzfristig hilft eine Fußstütze, dauerhaft eine kürzere Gasfeder, sofern der Hersteller sie anbietet, oder ein Stuhl mit niedrigerem Einstellbereich. Prüfen Sie danach den Tisch: Ist er für die neue Sitzhöhe zu hoch, muss er mit nach unten.
Ersetzt ein gut eingestellter Stuhl einen Sitz-Steh-Tisch?
Beides ergänzt sich: Der Stuhl sorgt für gutes Sitzen, der Tisch ermöglicht den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen.
Quellen und Regelwerke
- DIN EN 1335-1 „Büromöbel – Büro-Arbeitsstuhl – Teil 1: Maße – Bestimmung der Maße“, Ausgabe 2023-07 (EN 1335-1:2020+A1:2022)
- DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung“, Ausgabe Juli 2019
- Verordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV), Anhang Nr. 6 (Bildschirmarbeitsplätze), geltende Fassung
- Büroeinrichtungen Ritz, restaurierte Seite „Bürostühle“ und Archiv „Aktionen & Lagerverkauf: Bürodrehstühle“

